HLeseprobe 1
HHallo Wiebke (2)

 

HMax

Von einer Stunde zur anderen hat er sich entschieden, plötzlich ging's, und er ist acht Tage nach meiner Rückkehr losgefahren. Im November!! Und wandert jetzt auf meinen Wegen und versucht zu verstehen, warum mein siebenwöchiger Pilgerweg mich so sehr verändert hat, dass er mich trotz zwanzigjähriger Beziehung nicht mehr erkennen konnte.
Ach Wiebkeschatz, vielleicht sollte ich dir die ganze Geschichte einfach schreiben, ich fürchte wir werden nie genug Zeit haben, um dir alles zu erzählen.Kannst du dich an unsere Gespräche vor zwei Jahren über den Jakobsweg erinnern? Als ich Paolo Coelhos Buch gelesen hatte und davon so begeistert war, dass ich am liebsten gleich losgegangen wäre, mir sogar schon einen Wanderführer gekauft hatte und alle abwimmelte, die mitwollten? Ich wollte niemanden mithaben. Damals. Aber als ich in diesem August nach meinem Radunfall wieder laufen konnte, mich aus irgendeiner Eingebung heraus entschloss loszuwandern, vom Arbeitsamt Urlaub bekam, und dann Max erzählte, dass ich jetzt gehen würde, war mir doch mulmig.
Ganz allein los - nee, wenigstens den Anfang wollte ich mit jemand zusammen gehen. Da fiel mir Maja ein. Du kennst sie von meinen Geburtstagen, meine alte Bioenergetikgenossin. Ihr sollte ich Bescheid sagen, wenn ich mich irgendwann entschließe - sie traut sich auch nicht allein. Mit ihr konnte ich mir die Wanderung gut vorstellen. Sie hat auch nur kurz gezögert, schon eine Woche später haben wir unsere gemeinsame Fahrkarte gekauft. „Und wenn wir uns trennen?“, hab ich gefragt, und sie hat geantwortet „Wir trennen uns nicht“.