HLeseprobe 3
HSteine (2)

 

HMontes de Léon

Wo mir plötzlich beim Geschmack des frischen Brotes bewusst wird, dass meine Esskultur verloren gegangen ist: es ist mir gleichgültig geworden, was ich in mich hineinstopfe, ich esse nur noch zum Selbsterhalt, gierig und maßlos wie ein Tier in der Wildnis. Nur Essentielles ist noch wichtig, satt und warm zu sein wie jetzt.
Und mich sicher zu fühlen, wie heute Morgen nach den Fortschritten der letzten Tage. Darum kann ich auch wieder allein gehen, nur mit meinen Gedanken und den Steinen, die ich zum Cruz de Ferro tragen will, wie alle Pilger seit tausend Jahren, um symbolisch Sünden abzuladen.
Ich reihe mich in die Menge der anderen Wanderer, gehe hinter ihnen ins Dunkle. Durch Matsch und Pfützen, Nieselregen und dicken Nebel, der die verheißene schöne Aussicht verschluckt, hinauf nach Foncebadón. Sechs Kilometer holprige Pfade und leere Landstraßen durch feuchtes Grau. So verlassen schien mir die Welt noch nie. Und der Ort? Entlang der Dorfstraße liegen Berge schiefergrauer Trümmer, gibt es keine Fassade, kein Dach mehr, alles scheint seit Generationen verlassen. Auch dies soll ein wichtiger Ort des historischen Jakobsweges gewesen sein? Nichts ist davon geblieben. Der Hirte, der mit seinen Ziegen aus dem Nebel auftaucht, verstärkt noch den gespenstischen Eindruck dieses scheinbar irrealen Szenarios. Wie im Film.