HLeseprobe 3
HSteine (1)

 

HPilgerkirche

Ich funktionierte wieder, fast so zuverlässig wie immer. – Bloß nicht länger schwächeln als unbedingt nötig, die Zähne zusammenbeißen wie gewohnt …
Aber die äußeren Unbilden waren nicht mehr die wirkliche Herausforderung. Mehr und mehr ging es um eine andere Ebene. Ich nahm wahr, was um mich und mit mir geschah, wurde davon aber nicht wirklich berührt. Es fühlte sich an, als wäre ich in meiner Mitte angekommen. Das Wichtigste waren meine Gedanken und die Leere, meine Gefühle und mein Abseitsstehen.

Die Herausforderungen hören nicht auf. In der Nacht war ich vor Kälte zitternd aufgewacht, meine Nase tropft und ich friere beim Aufstehen bis auf die Knochen. Dennoch freue ich mich auf diesen Tag – besonders auf diesen, weil ich gespannt auf das Cruz de Ferro bin – das mystische Symbol des Jakobswegs schlechthin für mich. Paolo Coelho hat diesen Platz sehr geheimnisvoll beschrieben und meine Neugier geweckt; in einigen Stunden werde ich dort sein. Aber erst mal muss ich aufstehen und mich auftauen, meinen Körper auf normale Temperatur aufheizen. Zum Glück gibt's heißes Wasser und ich brühe mich ab, bis der Dampf im Duschraum so dicht ist wie der Nebel draußen und ich mich weich und wohlig fühle; spüle Heimweh und Selbstmitleid in den Abfluss, bin wieder die Löwin – mit kleinen Behinderungen – bereit zu neuen Abenteuern!
Das erste wartet schon: Zwanzig Schritte durch die Kälte, um in die warme Küche hinüber zu kommen, wo der nette Hospitalero zum erstklassigen Frühstück mit Unmengen Tee Geschichten erzählt, während er mich bedient. weiterlesen